Wenn Freunde keine Freunde sind

Henri wird demnächst fünf Jahre alt und wir planten vor ein paar Tagen seine Geburtstagsfeier.
Er hat klare Vorstellungen, was er gern machen möchte und noch klarere Vorstellungen davon, wer seine Gäste sein sollen.
Er zählte mir nacheinander auf, wen er einladen möchte und ich notierte die Namen. Ein Platz war noch frei und ich fragte, ob er nicht Phil auch noch einladen wollte.
Phil war letztes Jahr auch dabei und eigentlich verstehen sich die beiden ganz gut. Dachte ich.
Henri antwortet mit einem knappen ‚Nein, Phil nicht.“ und die Sache war für ihn erledigt.
Ich nahm das erstmal so hin und startete am nächsten Tag einen neuen Versuch, den freien Platz an Phil zu vergeben. Diesen Vorschlag schmetterte Henri erneut gnadenlos ab. „Wenn Freunde keine Freunde sind, dann muss man die auch nicht einladen, Mama!“
Das saß. Was für wahre Worte. Mein kleiner Philosoph hat es genau auf den Punkt gebracht.
Seitdem geht mir dieser Satz nicht aus dem Kopf.

Wie oft verbringen wir Zeit mit Menschen, die wir eigentlich nicht mehr sonderlich mögen und mit denen wir kaum noch etwas gemeinsam haben?!
Im Job lässt sich das nicht immer vermeiden. Hier kann man nur begrenzt entscheiden, mit wem man zusammenarbeitet. Das ist klar.
Aber privat habe ich da in den letzten Jahren echt dazugelernt und versuche nun einen anderen Weg einzuschlagen:
Ich lade niemanden mehr ein nur weil er/sie bisher ja auch immer mit von der Partie war. Warum auch? Viel zu oft bin ich gerade von solchen Menschen enttäuscht worden. Darauf hab ich keine Lust mehr.

Da war die Freundin, die immer wieder unsere Hilfe gesucht hat und der wir in ihren schwersten Zeiten beigestanden haben. Plötzlich hat sie kein Interesse mehr an uns, vergisst die Geburtstage und meldet sich nicht mehr.
Hinterherlaufen? Hab ich eine Zeit lang gemacht, weil sie mir wirklich wichtig war und ich einfach übersehen habe, dass sie uns nicht mehr wollte. Mittlerweile hab ich ihre Nummer gelöscht und habe jetzt keine Möglichkeit mehr, sie zu kontaktieren. Das tat am Anfang weh, aber dann doch nicht so sehr, wie diese ständige Zurückweisung vorher. Aus die Maus. Wer nicht will, der hat schon.

Mit einer anderen Freundin war ich über viele Jahre richtig eng verbunden. Wir haben viel unternommen und hatten eine Menge Spaß. Als dann die Jungs geboren wurden, verlagerten sich die Unternehmungen immer in unser Haus. Immer.
Am Anfang war das für mich okay, aber irgendwann wurde es mir zu viel. Sie lud sich immer wieder gekonnt von selbst zum Essen ein und ignorierte meine Andeutungen, wir könnten ja auch alle mal zu ihr kommen.
Vielleicht hätte ich deutlich werden müssen. Vielleicht. Aber ich ließ den Kontakt stattdessen einschlafen. Keine Treffen mehr bei uns, nur noch ein paar seltene Telefonate. Das ganze zog sich über ein paar Jahre so hin.
Es war okay, aber sie fehlte mir.
Also hüpfte ich letztes Jahr über meinen Schatten und lud sie zu unserer großen Sommerparty ein und sie kam.
Was haben wir gelacht! Das war ein toller Abend, gerade WEIL sie da war!
Wir sehen uns jetzt wieder öfter und gehen gemeinsam essen. Geredet habe ich mit ihr allerdings noch nicht über unser/mein früheres Problemchen.

Andere Menschen hab ich komplett von meiner Freundesliste gestrichen. Über einige hatte ich mich aus den verschiedensten Gründen immer wieder geärgert. Wieder andere waren nur dabei, weil sie zu irgendwem dazugehörten und das schon immer so war. Ich mochte sie nicht wirklich, sie mochten mich nicht. Was soll das? Wieso quälen wir uns dann gemeinsam, wo wir doch wissen, dass es nichts bringt?

Friends

Ich versuche mich nur noch mit Menschen zu umgeben, die mir gut tun, mit denen ich reden, lachen und weinen kann. Richtige Freunde eben.
Ganz nach Henris Motto – wenn Freunde keine Freunde sind, dann muss man die auch nicht einladen.

Wie handhabt ihr das? Habt ihr auch schon richtig gute Freunde gehen lassen müssen?

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Wirklich ein wahrer Satz! Mir fällt es schwer, „Freunde“ ziehen zu lassen, auch wenn es vielleicht schon lange keine Freunde mehr sind oder es vielleicht auch nie waren. Und auch wenn ich weiß, dass sie mir nicht gut tun. Ich klammere mich hoffnungslos an das Gute im Menschen und halte dann auch gerne mal eine Illusion für mich aufrecht… Manchmal glaube ich, dass uns Kinder da einiges vorraus sind.

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  2. Pingback: Fünf Fragen am Fünften :=: April Edition - Puppiluppi

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