Mein Horror vor dem Schieber :=: Bettpfannengeschichten Teil 1

Heute vor genau einer Woche durfte ich nach meiner Schilddrüsen-Operation das Krankenhaus nach nur zwei Nächten schon wieder verlassen.
Im Vorfeld gingen mit viele Dinge durch den Kopf.
Was ist, wenn ich aus der Narkose nicht wieder aufwache? Was ist, wenn meine Stimmbänder verletzt werden und ich zu Hause nicht mehr herumkommandieren kann? Wie kann ich meine Haare waschen… etc.
Ganz normale Prä-OP-Gedanken halt.
Aber die Sache, die mich am meisten beschäftigte, war die Ungewissheit, ob ich nach der Operation aufstehen darf, um auf die Toilette zu gehen, oder ob ich den Schieber benutzen muss.

Schieber ist der eher umgangssprachliche Begriff für Steckbecken bzw. die Bettpfanne.
Eigentlich eine ganz normale, notwendige Sache und für die Krankenschwestern Alltag. Für die Patienten ist es aber immer eher unangenehm und peinlich.
Davor graute mir ehrlich, denn ich hatte bereits ein Mal das Vergnügen mit dem Schieber. Genau ein Mal. Und dieses eine Mal hat mich geprägt. Und das kam so:

Im Jahre 2000 verdrehte ich mir beim Punktspiel mit meinen Volleyball-Mädels das rechte Knie.
Ich kam nach einem Block am Netz unglücklich auf dem Boden auf und knickte weg.
Der Block war allererste Sahne und ich holte einen Punkt. Allerdings war auch das Knie kaputt und meine Mila-Superstar-Karriere am Ende. Das war’s.

Mein Lieblingsbruder, der mich beim Spiel eigentlich anfeuern wollte, fuhr mich ins Krankenhaus, wo ich am nächsten Morgen eine Arthroskopie bekam. Im Vorgespräch versprach mir der Arzt, dass ich am späten Nachmittag aufstehen dürfe. Perfekt. Ich musste also nicht auf den Schieber. Ich war heilfroh.

Nach der OP trank ich dann erst den üblichen Krankenhaus-Tee und am Nachmittag die Flasche mit dem leckeren Orangensaft, den mir meine Eltern mitgebracht hatten. Meine Blase füllte und füllte sich.
Nachdem der letzte Besuch gegangen war, klingelte ich nach der Schwester, denn ich musste dringend auf die Toilette. Leider hatte der nette Arzt vergessen in meine Akte einzutragen, dass ich aufstehen durfte. Es gab keinen Vermerk über Krücken für mich und er war nach einem langen Tag auch schon im wohlverdienten Feierabend.
„Aufstehen könnse heute vergessen!“, machte mir die Krankenschwester unmissverständlich klar.
Wenn ich denn wirklich (!) auf Toilette müsse, würde sie mir den Schieber bringen.

Ich musste augenblicklich nicht mehr und nahm mir vor mit meiner Notdurft bis zum Morgen zu warten und nach der Visite aufzustehen. Da würde ich ja den Arzt wiedersehen und mir so die Krücken besorgen können. Trinken wollte ich bis dahin nichts mehr. Genialer Plan.

Leider machten mir Krankenhaus-Tee und Orangensaft gegen 21 Uhr einen Strich durch die Rechnung. Ich konnte unmöglich bis zum nächsten Tag durchhalten. Meine Blase war randvoll und ich fand keine Position mehr, in der ich ohne drückende Schmerzen im Unterleib liegen konnte. Es half alles nichts. Ich klingelte nach der Schwester und verlangte kleinlaut nach der Bettpfanne.
Diese wurde mir zu meiner großen Erleichterung umgehend gebracht und untergeschoben, daher auch der Begriff Schieber.
Ich war morgens das letzte Mal auf Toilette und hatte nach der Operation ordentlich gebechert. Jetzt war es allerhöchste Eisenbahn, alles wieder auszuscheiden.
Nachdem ich mich also erleichtert hatte, klingelte ich wieder nach der Schwester, damit diese die Bettpfanne samt Inhalt abtransportieren konnte.

Und jetzt kommt’s:
Die Tür ging auf und es kam ein Zivildienstleistender ins Zimmer. 19 Jahre jung, genauso alt wie ich. Wir kannten uns flüchtig aus der Disco. Er lief rot an, ich lief rot an.

Nachdem wir uns beide gefangen hatten, versuchte der arme Kerl sein Bestes.
Vorsichtig zog er, begleitet von meinen ständigen Entschuldigungen, den Schieber unter mir hervor.
Ich weiß nicht, wie viel Fassungsvermögen solch eine Bettpfanne hat, aber ich hatte diese hier randvoll gemacht – bis zur Oberkante.
Den Deckel konnte er nicht mehr draufmachen und hatte allergrößte Mühe, das Objekt nach draußen zu schaffen, ohne allzu viel zu verschütten.
Dies war mit Abstand einer der peinlichsten Momente in meinem Leben!!!
Ich verkroch mich tief unter meiner Decke und schämte mich vor mich hin. Ich verwünschte den Arzt und die Schwester und der Zivi tat mir furchtbar leid.

Der junge Mann kam kurz darauf nochmal ins Zimmer, bewaffnet mit Eimer und  Wischmop, um die Tropfspur, die von meinem Bett zur Zimmertür führte, aufzuwischen.
Als er fertig war, dimmte er das Licht und sagte „Gute Nacht, schlaf gut.“ und zwinkerte mir zu.
Ich musste grinsen und murmelte ebenfalls ein ‚Gute Nacht und nochmal danke!“ und er verließ das Zimmer.

Gesehen habe ich ihn seitdem nie wieder, aber vergessen habe ich diesen schrecklichen Moment in meinem Leben nie.
Mittlerweile kann ich auch darüber lachen und die Geschichte ist immer wieder ein Brüller. Ob sie sich während meines letzten Besuchs im Krankenhaus wiederholt hat, erzähle ich euch ein anderes Mal.

Habt ihr auch mal so was peinliches erlebt? Los, traut euch. Erzählt mal….

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