Emotionale Kompetenz fördern :=: Gefühle zeigen ist völlig okay, mein Schatz!

Gestern saß plötzlich ein ganz anderer Toni als sonst neben mir im Auto. Dieser Toni war traurig. Und das zu Recht!
Ich hatte ihn gerade vom Handball-Training abgeholt und wir waren unterwegs zum Supermarkt, um uns fürs Abendessen eine Tiefkühlpizza zu besorgen.

Toni’s Trainerin hatte mir in letzter Zeit öfter berichtet, dass mein kleiner Handballer immer mal wieder zornig in Tränen ausbricht, wenn er eine Übung nicht so gut bewältigt, wie seine Mannschaftskameraden oder aber auch dicke Tränen fließen, wenn er bei einem Spiel verliert.
Ich nutze dann immer den Heimweg vom Training, um darüber mit ihm in Ruhe zu sprechen. Ich erkläre ihm, dass es völlig normal ist, dass er beispielsweise noch keinen Sprungwurf richtig ausführen kann oder noch nicht so oft ins Tor trifft, wie die großen Jungs. Schließlich ist er erst 7 Jahre alt und die größten Jungs seiner Mannschaft sind bereits in der 5. Klasse.

Ich fragte Toni also gestern auf der Fahrt, ob er beim Training geweint hätte. „Nein, heute war alles gut, Mama!“ antwortete Toni und wurde plötzlich ganz still und mit gesenktem Kopf sagte er weiter:“Aber heute in der Schule, da hatte ich Tränen im Auge und hätte fast geweint.“
„Och, was war denn los, mein Schatz?“ fragte ich besorgt.
„Na, das war wegen Louis. Der zieht ganz weit weg und ist nach den Ferien nicht mehr da.“ Toni blinzelte die Tränen weg und er wischte sich ganz verschämt über die Augen.
Inzwischen waren wir auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt angekommen. Ich stellte den Motor ab, schnallte mich ab und nahm meinen großen Sohn fest in den Arm. Ganz viele Tränen tropften plötzlich auf meinen Ärmel. Schluchzend erzählte mir Toni, dass einige andere Kinder aus seiner Klasse deswegen gelacht und ihn eine Heulsuse genannt hätten. Mein Herz wurde ganz schwer, als ich sah, wie sehr meinen kleinen Mann das Ganze mitnahm.

Gefühle zeigen ist völlig okay, Schatz!

Ich sagte ihm als erstes, dass es mir ganz doll leid tut und dass ich auch schade finde, dass Louis wegzieht.
Louis ist wirklich ein cooler, kleiner Typ. Furchtbar nett und immer gut drauf. Toni hat oft von ihm erzählt.
Ich erzählte Toni auch, dass es völlig okay ist, wenn man deswegen weint:
„Dein Weinen zeigt, dass du emotional bist und Gefühle zu zeigen, ist etwas ganz Schönes. Gefühle zeigen ist völlig okay, Schatz!
Dein Weinen offenbart, dass du Louis sehr gern magst und ganz traurig bist, weil er bald nicht mehr da ist. Es bedeutet aber keineswegs, dass du eine Heulsuse bist und schämen musst du dich wegen solcher Tränen schon gleich gar nicht. Schämen müssen sich die Kinder, die dich ausgelacht haben. Ich finde toll, dass du deine Gefühle offen zeigst. Du bist ein großartiger, mitfühlender Mensch – und lass dir von niemandem etwas anderes sagen!“

Toni schniefte und meinte, dass er Angst habe, er müsse morgen wieder weinen, wenn er Louis das letzte Mal sieht.
Ich strubbelte ihm durch die blonden Harre und sagte: „Wenn ihr euch morgen in die Ferien verabschiedet, dann drück Louis ganz fest und sag ihm, dass du ihn vermissen wirst und wenn du dann weinen musst, ist das völlig okay. Wenn jemand lacht, dann sag ihm, dass es ganz normal ist, wenn man Gefühle zeigt und dass es traurig ist, dass man dann ausgelacht wird. Du bist ein starker kleiner Mann und ganz genauso so richtig, wie du bist.“

Das hat er definitiv von mir. Obwohl bei mir erst durch die Schwangerschaften der emotionale Damm unwiderruflich gebrochen ist. Mit dickem Kullerbauch saß ich vor dem Fernseher und schaute Whiskas-Werbung. Heulend. Sturzbäche. Einfach, weil die kleine Miez so süß war.
Seit ich schwanger war, heule ich beim Lesen, beim Fernsehen, wenn die Kids irgendwas Niedliches sagen oder mir jemand etwas Bewegendes erzählt. Und anfangs fand ich das auch extrem peinlich. Mittlerweile stört es mich nicht mehr, wenn man mich belächelt oder Arwie feixt, weil ich beim Fernsehen nach der Taschentuchpackung greife.
So bin ich halt – und das ist gut so.

Ich wette, dass Toni mal ein ganz verständnisvoller und mitfühlender Mensch wird.
Quatsch! Genau das ist er bereits jetzt!
Jetzt es unsere Aufgabe, ihn darin zu bestärken, zu festigen und ihm Mut zu machen. Feinfühlig auf ihn eingehen und ihm zeigen, dass er offen mit uns über das, was ihn bewegt, sprechen kann.
Die emotionale Kompetenz unserer Kinder zu fördern ist wichtig, denn nur so werden sie selbstbewusste, empathische Menschen.

Wie stärkt ihr euren Kindern in solchen Situationen den Rücken? Seid ihr auch nah am Wasser gebaut?

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